Für viele Menschen ist der eigene Tod ein großes Tabuthema. Dennoch gibt es Situationen, die einen ganz plötzlich mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontieren wie der Tod eines geliebten Wesens oder die Diagnose einer unheilbaren Krankheit. Die Unabänderlichkeit solcher Lebenslagen bewirkt heftige Emotionen, mit denen man sich aktiv auseinandersetzen sollte. Denn Verunsicherungen, Ängsten und Schmerzen ständig auszuweichen, um handlungsfähig zu bleiben oder das Gesicht zu wahren, erfordert eine unbewusste Kraftanstrengung, die eine zusätzliche Dauerbelastung darstellt.
Der künstlerische Zugang beinhaltet geeignete Methoden, um Gefühle in Bezug auf den (eigenen) Tod zu befragen und in einen sinnstiftenden Zusammenhang zu bringen. Er fördert zB das Forschen nach Selbst- und Fremdwahrnehmung, stimuliert die assoziativen Fähigkeiten, erfordert zielgerichtetes Entscheiden und Handeln und dient schließlich dazu, Gefühlen Ausdruck zu verleihen, wobei negative Gefühlsqualitäten im Kunstkontext nicht zensiert werden müssen wie in vielen anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Die Planung und Erstellung eines Gedenkportraits oder einer Portrait-Collage kann demnach eine produktive und sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem Tod befördern. So können Menschen, die sich auf den Tod vorbereiten müssen, — im übertragenen wie im realen Sinn — das Bild mitgestalten, wie sie in Erinnerung bleiben möchten. Sie können den Ort vorausplanen, an dem ihr Andenken platziert werden soll. Darüber hinaus können sie gemeinsam mit den Angehörigen den emotionalen Stellenwert der Erinnerungsstücke definieren. Dieser Prozess lässt Sterbende Wertschätzung durch ihr Umfeld erfahren und hilft ihnen, mit der eigenen Persönlichkeit und Biografie wertschätzend umgehen zu lernen. Oft lassen sich im vorbereitenden Gespräch offene Stränge oder schwelende Konflikte zu einem zufriedenstellenden Abschluss bringen. Auch für Angehörige eine erleichternde Erfahrung sein. Jedenfalls eröffnet der künstlerische Zugang aber einen Handlungsspielraum, der dem endgültigen Aus etwas entgegensetzt.

